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Brauchtum

Karsamstag in Niederösterreich: Speisenweihe und Osterfeuer

Wenn Osterfleisch, Kren und Eier gesegnet werden und die Osterfeuer die Nacht erhellen

Stadtradio Eins · Redaktion
4. April 2026 3 Min. Lesezeit

Am Karsamstag herrscht in den niederösterreichischen Gemeinden eine besondere Stimmung. Während die Kirchenglocken schweigen und die Karwoche ihrem Ende zugeht, bereitet sich das Land auf das wichtigste Fest des Christentums vor. Zwei jahrhundertealte Bräuche prägen heuer wieder diesen besonderen Tag: die Speisenweihe und die Osterfeuer.

Die Tradition der Osterjause

Bereits am frühen Morgen machen sich Familien aus ganz Niederösterreich auf den Weg zu ihren Pfarrkirchen. In liebevoll geschmückten Körben tragen sie die Osterjause zur Weihe: saftiges Osterfleisch, meist geräucherter Schinken oder Geselchtes, frisch geriebener Kren, bunt bemalte Eier und süße Osterbrote. Diese Speisen werden nach der Auferstehungsfeier am Ostersonntag als erste Mahlzeit nach der Fastenzeit gemeinsam genossen.

"Die Speisenweihe verbindet uns mit unseren Vorfahren und stärkt das Gemeinschaftsgefühl", erklärt Pfarrer Johann Huber aus Melk. In seiner Pfarre kommen jedes Jahr über 200 Familien zur traditionellen Segnung. Besonders schön ist dabei zu beobachten, wie Großeltern ihren Enkeln die Bedeutung der einzelnen Speisen erklären: Die Eier stehen für neues Leben, das Fleisch für die Überwindung der Fastenzeit und der scharfe Kren symbolisiert die Leiden Christi.

Osterfeuer erhellen die Landschaft

Wenn die Dämmerung über das Mostviertel, das Waldviertel und die anderen Regionen Niederösterreichs hereinbricht, beginnt ein spektakuläres Schauspiel. Auf Hügeln und freien Plätzen werden die Osterfeuer entzündet – ein Brauch, der bis in vorchristliche Zeiten zurückreicht und die Vertreibung des Winters sowie die Auferstehung Christi symbolisiert.

In der Wachau etwa lodern traditionell Dutzende Feuer entlang der Donau und tauchen die Weinterrassen in ein mystisches Licht. Auch im Waldviertel, rund um Horn und Zwettl, gehören die Osterfeuer seit Generationen zum festen Ritual. Die Freiwilligen Feuerwehren übernehmen dabei nicht nur die Sicherheit, sondern helfen oft auch beim Aufschichten des Holzes.

Gemeinschaft und Besinnung

"Das Osterfeuer bringt die Menschen zusammen", erzählt Maria Schweiger aus Krems. "Heuer kommen wieder Nachbarn aus der ganzen Umgebung, um gemeinsam diesen besonderen Moment zu erleben." Viele Gemeinden organisieren rund um die Feuer kleine Feiern mit warmen Getränken und regionalen Schmankerln.

Die Asche der Osterfeuer wird übrigens nicht einfach entsorgt. Viele Bauern streuen sie auf ihre Felder – ein alter Glaube besagt, dass sie Segen und gute Ernte bringt. So schließt sich der Kreis zwischen christlichem Glauben und bäuerlicher Tradition.

Wer heuer die Speisenweihe besuchen oder ein Osterfeuer erleben möchte, findet in fast jeder niederösterreichischen Gemeinde entsprechende Angebote. Ein Blick auf die Pfarr- oder Gemeindewebsites lohnt sich – dort sind die genauen Zeiten und Orte angegeben.

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